4 HI. REUGtON, WEL~WtSSEMCH. U. KWM'. 9. AsTRONOMtE U.&W., MATH~fATtK.
welcher dieser Zweig der indischen Litteratur angehort, Licht zu verbreiten
verspricht; und ausserdem darf es dasjenige allgemein phuosophische Interesse
beanspruchen, welches wir UberaU den Anfangen der Dinge entgegenbringen.
Ausser dem theoretischen Interesse, das die indische Astronomie und
Mathemathik rur uns hat, hat das Studium derselben auch seine praktische
Seite, indem es uns befaMgt, die chronologischen und kalendarischen Be-
rechnungen der HindOs zu verstehen; es wird in dieser Hinsicht eine unent-
behrliche Hilfswissenschaft der indischen Geschichte. Die nahere Betrachtung
dieser praktischen Anwendungen liegt ausserhatb des Rahmens dieser Arbett;
als Hauptwerke, welche diesen Zwecken dienen, m8gen hier nur das schon
oben erwHhnte KBtasatpkaIita von WARREN erwahnt werden, und unter den
ziemlich zahlreichen neueren Werken »The Indian Calendar« von R. SEWBH.
und SANKAR BXt.KRS~A DïKStT (1896).
Im Obigen konnte nur auf die HMptpnnhte m der Entwicklung des modernen,
nach der Methode europSischer Wissenschaft vorgehenden Studiums der indischen
Astronomie Kilctfsicht genommen werden. Die meisten der genannten Werke
werden im VerlauC dieser Arbeit wieder gcnMmt und citirt werden. Eine seh)-
nBtttiche detftitiirte ûberslcht des cnroptisehen Wissens von indischer Astronomie
wurde von J. BuRGMS gegeben (Notes on Hindu Astronomy and thé History of
our Knowledge of itj JKAS. 1893).
ERSTES KAPITEL. ASTRONOMIE.
S 2. Die drei Perioden. Wenn wir uns eine Ûbersicht des von
den Indern auf astronomischem GebieteGeleisteten verschaffen wollen, teilen
wir das ganze Feld am besten in drei durch historische RUcksichten bestimmte
Sektionen ein. Eine Abteilung umjfasst die ganze Zahl von Werke,n, ats deren
best bekannte Typen der Surya-Siddhanta und der Siddhanta-Siromant an-
gesehen werden durfën, Werke, die dasjenige S)'stem reprasentiren, welches
man gewohniich meint, wenn man im AHgemeinen von indischer Astronomie
spricht. Die frithesten Werke dieser Art sind, wie wir unten sehen werden,
wahrscheinlich in den fMheren Jahrhunderten der christlichen Ara entstanden;
das von der ganzen Klasse vertretene System hat erst im Laufe des gegen-
w:irtigen Jahrhunderts Mgefangen, dem Einfluss moderner europaischer Astro-
nomie zu weichen. Dass es selbst aber kein ungemischt echtes Produkt
indischer Wissenschaft ist, sondem in seinen GrundzUgen als auf der alexan-
drinisch-griechischen Astronomie beruhend zu betrachten ist, wird heutzutage
fast allgemein zugegeben. Wir haben uns daher weiter der Frage zuzuwenden,
welche astronomischen Ansichten in Indien vorherMchten, ehe sich der gne-
chische Einfluss geltend machte. Die litterarischen Denkmater, die uns be-
f!thigen, diese Frage zu beantworten, sind hauptsachlich das sog. Jyottsa-
Vedanga, das astronomische Buch der Jaina und gewisse Kapitel der PurSnas.
Und da alle diese Werke der nachvedischen Periode anzugeMren scheinen,
d. h. einer Periode, die sp!tter ist als die der Brahmanas, so wird es femerhin
unsere Aufgabe sein, uns einen Begriff zu bilden von dem Stande der astro-
nomischen Kenntnisse in Indien in der vedischen Periode, worunter wir hier
den ganzen Zeitraum verstehen wollen, dem die SamhitSs sowohl a)s die
Brahmanas angehOren. Wir haben aus dieser Periode keine Texte speciell
astronomischen Inhalts, sondern mUssen uns damit begnUgen, diejenigen Stellen
in den Werken der zwei genannten Klassen zu verwerten, welche auf Dinge
astronomischer Natur Bezug nehmen.
Der historischen Ordnung folgend beginnen wir unsere Darstellung mit
der letzterwSthnten, aber zeitlich ersten Periode, der vedischen, ~tr welche
unsere Quellen die Sambitas und Brahma~as sind, in zweiter Linie auch die
Source: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France, département Littérature et art, 8-X-11534 (3, 9)